Sandro Lienhart
Sandro Lienhart
21.11.2018

Laudatio Liberal Award 2018 - Verein E-Mobil Züri

„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht“

Dies ist eines meiner Lieblingszitate, von welchem ich glaube, dass dies auf zahlreiche Situationen in unserem täglichen Leben zutrifft. Im Falle unserer heutigen Preisträger, dem Verein E-Mobil Züri mit seinen Initianten, ist dies jedoch ein wenig anders gewesen: Sie haben gewusst, dass es eigentlich nicht geht, haben es aber trotzdem gemacht!

Vor 19 Jahren ist der Jungfreisinn Kanton Zürich bereits auf dem politischen Parkett etabliert gewesen. Die Zeit hat dazu geführt, dass die dazumaligen Exponenten und Repräsentanten heute ab und an bereits aus dem Jungfreisinnigen Alter raus sind. Die heutigen Jungfreisinnigen sind dazumal noch nicht mal auf der Welt gewesen, hatten gerade mit den ersten Geh Versuchen zu kämpfen oder waren eingeschult und haben sich bereits im September wieder auf die Sommerferien im nächsten Juli gefreut. Doch nebst einer gradlinigen und freisinnigen Art zu politisieren, ist in den 19 Jahren auch etwas weiteres geblieben: Der Liberal Award!

Im Jahr 2000 wurde der erste Liberal Award an Alt-Regierungsrat Professor Doktor Ernst Buschor übergeben um die dazumaligen Bemühungen für eine liberale Bildungslandschaft in der Schweiz zu würdigen. Seit dem durften sich 17 weitere Würdenträger mit dem Ehrenpreis auszeichnen lassen. Unzählige Preisträger wie Roger Schawinski, Pascal Couchepin und Andreas Thiel um nur einige zu nennen wurden geehrt. Ebenfalls wurden zum Beispiel die Aargauer Regierung oder die Obwalder Bevölkerung ausgezeichnet. Letztes Jahr durften wir Robert Nef für sein Lebenswerk eehren. Und eines hat sich in dieser Zeit nie geändert: Die Kriterien zum in diese ehrenvolle Runde aufgenommen zu werden.

Zivil Courage, Engagement für eine liberale Idee in der breiten Öffentlichkeit sowie ein konsequentes und nachhaltiges Eintreten für eine liberale Geisteshaltung. Das sind die Bedingungen um einen Liberal Award entgegen nehmen zu dürfen. Und alle dieser drei Punkte treffen auf unsere heutigen Preisträger zu, wie die Faust aufs Auge.

Zivil Courage: Auf Deutsch würde dies etwa Bürger Mut bedeuten. Nach Gerd Meyer, Politikwissenschaftler der Eberhard Karl Universität in Tübigen, gibt es drei Arten des Handels im Bereich der Zivil Courage:

1) Eingreifen zu Gunsten anderer

2) Sich einsetzen für ein Recht oder legitimes Interesse

3) Sich wehren im Sinne zu seinen Überzeugungen stehen, sich behaupten und standhalten

In einer Rot-Grün dominierten Stadt einen Grossanlass für ein Formel-E Rennen durchführen zu wollen ist meiner Meinung nach sehr couragiert. Angefangen hat die Fahrt im 2015 mit der Gründung des heute Abend geehrten Vereins. Im Juli 2015 hat eine Medienmitteilung des Verein E-Mobil Züri verlauten lassen, man wolle bereits ab 2017 einen fixen Teil des Rennprogramm der Formel-E in der Schweiz sein. Die Statuen sind nicht nur Worthülsen sondern ein klares Statement: „Der Verein bezweckt die Förderung des elektrisch betriebenen, individuellen Verkehrs, die Förderung der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich und die Ausrichtung von Rennsportanlässen mit elektrisch betriebenen Sport- und Strassenfahrzeugen in der Stadt und dem Kanton Zürich.„

Doch dann hat die Arbeit erst recht begonnen. War da doch noch der Entscheid der Bundesregierung aus dem Jahr 1958, indem Rundstreckenrennen in der Schweiz mit dem kurzen und knappen Wortlaut „Öffentliche Rundstreckenrennen mit Motorfahrzeugen sind verboten“ verboten wurden. So mussten sich die drei Herren für Ihr Recht und die Interessen des Wirtschaftsraums Zürich und darüber hinaus einsetzen, dass dies in der Schweiz wieder möglich gemacht wird. Mit viel Arbiet, unzähligen Gesprächsstunden und unglaublich viel Engagement haben sie sich daraufhin eingesetzt. Knapp 60 Jahre nach dieser Rechtssprechung am 18. Dezember 2016 hat eine Mitteilung des Bundesrats einen weitren Meilenstein für dieses Projekt gesetzt. In seiner Botschaft lässt er verlauten: „Der Bundesrat hat heute beschlossen im Rahmen der Formel-E-Meisterschaft Rundstreckenrennen zuzulassen und die dafür nötige Ausnahmebewilligung zu erteilen.“. So muss man sich vorstellen, dass drei Zürcher Gemeinderäte kommen, eine Vision haben und diese mit voller Überzeugung und politischem Geschick vertreten. Und siehe da: Der Bundesrat unterstützt das Vorhaben.

Die Zivilcourage zu beweisen war anschliessend nicht weniger im Tagesablauf integriert. Je grösser die Chancen für ein Formel-E Rennen in Zürich wurden, desto grösser wurde der Widerstand. An allen Ecken und Enden mussten sie nun einstehen. Bewerbungen einreichen da, Konzepte vorweisen dort und aufzeigen dass.. an einem weiteren Ort. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viel Administration und Bürokratie über die Schreibtische und durch die Mailboxen unserer drei Preisträger geführt wurde. So bin ich sicher, dass sich mir alle liberalen Nackenhaare die ich aktuell noch besitze sträuben, sofern ich diese vor lauter Verzweiflung nicht eh schon verloren habe.

Engagement für eine liberale Idee in der breiten Öffentlichkeit. Ja da bin ich überzeugt, dass dies bei einem solchen Vorhaben gewährleistet sein musste. Eine kurze News-Suchanfrage über Google zeigt: 858 Erwähnungen des Verein E-Mobil Züri. Spätestens ab dem Jahr 2016, in dem zum ersten Mal ein Formel-E Rennwagen in der Schweiz präsentiert wurde, war das Thema omni präsent. 29'900 Erwähnungen in der News-Suche werden präsentiert, wenn der Suchbegriff „Formel-E Rennen Schweiz“ eingegeben wird. Doch bei waren nicht alle Feuer und Flamme für dieses Anliegen. Die NZZ zum Beispiel berichtet im Juli 2016: „Mit dem Stadtrat hat Roger Tognella noch nicht offiziell gesprochen. Der Mediensprecher der Stadtpräsidentin liess dennoch bereits verlauten, Zürich eigne sich nicht für ein solches Rennen“. Dies waren in etws die Voraussetzungen nach gut einem Jahr Vorbereitungszeit. Zahlreiche weitere Auftritte, Interviews, Publikationen und sonstige Aktivitäten folgen um die Bevölkerung zu informieren und einzubinden.

Konsequentes und nachhaltiges eintreten für eine liberale Geisteshaltung

Über zwei Jahre, zumindest was offiziell bekannt ist, hat es gedauert bis das Vorhaben bewilligt wurde. Ich bin fast überzeugt, dass am Donnertag 05. Oktober 2017 drei FDP Gemeinderäte miteinander angestossen haben. Konkretes Wissen meinerseits ist nicht vorhanden, aber die Medienmitteilung des Zürcher Stadtrats lässt es erahnen: „Der Stadtrat hat für das Gesuch für ein Formel-E-Strassenrennen mit Elektromotoren und für ein Begleitprogramm «more than a race» zum Thema E-Mobilität eine Rahmenbewilligung erteilt.“ Doch bereits ein Satz später hört es sich wieder ganz  nach der Rot-Grünen Stadt Zürich an: „Die Bewilligung ist an zahlreiche Auflagen geknüpft.“

Eine liberale Geisteshaltung kann ganz unterschiedlich definiert oder beurteilt werden. Definitionen wie „Meine Freiheit hört dort auf, wo Deine beginnt“ sind immer wieder hörbar. Doch wenn es um die Finanzen und um den Einsatz von Steuergeld geht, sind meistens klare Verhältnisse da. Was mich persönlcih immer wieder sehr beeindruckt hat, ist die von Anfang an klare und liberale Haltung zur Finanzierung. Das Formel-E Rennen in Zürich hat 0 Franken an Steuergeld gekostet. Ganz im Gegenteil. Die Auslagen und der Aufwand der Stadt wurden bezahlt. Zusätzlich wurde der Boden der Stadt an die Organisatoren vermietet und durch die rein private Trägerschaft finanziert. Nachrangige Effekt wie die Anzahl der Übernachtungen in und um Zürich, der Tourismuseffekt für die Stadt oder sonstige Effekt sind da noch nicht mal einberechnet. So ist es mir in der Tat extrem schleiherhaft, wie zahlreiche Exponenten sich dagegen wehren können.

Der Verein E-Mobil Züri mit seinen Initianten Roger Tognella, Severin Pflüger und Raphaël Tschanz haben gezeigt, was möglich sein kann. Die Gesellschaft ist und bleibt im Wandel. Oder um es mit den Worten des griechischen Philosophen Heraklit zu sagen: „Die Einzige Konstante ist der Wandel“. So braucht es unter anderem auch in der Politik Mut, Standhaftigkeit und Überzeugung um sich dem zu Stellen. Es braucht Mut um neues anzugehen oder alte Entscheide nochmals zu überdenken. Es braucht Standhaftigkeit um für liberale Visionen und Ansichten einzustehen. Auch wenn sich die Effekte noch nicht heute oder morgen zeigen mögen. Und es braucht eine grosse Portion Standhaftigkeit um sich entgegen der linken Fantasien und grünen Utopien für freiheitliche Lösungen auszusprechen und diese zu vertreten.

Im Namen der Jungfreisinnigen Kanton Zürich und dem Liberal Award Comitee möchte ich mich ganz herzlich beim Verein E-Mobil Züri und Euch Drei für Euer Engagement bedanken. Es macht mich stolz tatkräftige Büezer und Visionäre unter uns zu haben. Es ist mir eine Ehre Euch heute Abend den Liberal Award 2018 überreichen zu dürfen!